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13.05.2017 00:00 Alter: 47 days

Geografiekurs im Schanzenviertel


 

Am 05.05.2017 besuchte der Geografiekurs des Jahrgangs 12 das Hamburger Schanzenviertel, um sich vor Ort ein Bild vom Phänomen der Gentrifizierung zu verschaffen. Nach einer zweistündigen Führung war die Aufgabe, Fotos von typischen Orten des Viertels zu machen. Wir möchten hier zwei unserer Arbeitsergebnisse vorstellen.

RE

Gegensätze

Gentrifizierung ist ein sozialer Umstrukturierungsprozess eines Stadtteils, bei dem besser verdienende Haushalte in Wohnviertel einziehen, die auf Grund ihrer zentralen Lage, den niedrigen Preisen für Miete und ihres "Flairs" neue Attraktivität genießen. Das Ergebnis einer solchen Entwicklung ist eine bauliche Aufwertung des Ortes mit gleichzeitiger Verbesserung der Wohnverhältnisse. Allerdings hat dieser Prozess auch zur Folge, dass die ursprünglichen Bewohner verdrängt werden.

In den achtziger Jahren stand das Schanzenviertel vor dem Absturz. Daher beschloss die Stadt Hamburg, die Sanierung mit öffentlichen Mitteln zu fördern, um so diesen heruntergekommenen Stadtteil aufzuwerten.

In die maroden, aber billigen Wohnungen zogen Ausländer, Studenten und Lebenskünstler. So entstand eine gewisse "internationale Kreativität" bzw. eine besondere "Szene", die das Schanzenviertel mit der Zeit immer attraktiver werden ließ. Dieser besondere Charme lockt nun seit einigen Jahren verschiedene Investoren an, die einen Gentrifizierungsprozess in Gang gesetzt haben. Auf dem ersten Bild ist das momentan typische Schanzenbild zu erkennen. Zwischen teuren Boutiquen liegt eine mit Graffiti verzierte Eingangstür einer Altbauwohnung. Noch deutlicher ist die Gentrifizierung auf Bild 2. Hier ist ein noch nicht abgeschlossener Gentrifizierungsprozess deutlich zu erkennen. Ein neu errichtetes hochmodernes Wohnhaus zwischen einem renoviertem Wohnkomplex und heruntergekommene, graffitisierte  Wohnungen.

Wenn der Prozess der Gentrifizierung abgeschlossen ist, wird es fast keine Gewinner geben. Die Armen wohnen woanders und den Reichen gefällt diese Monokultur nicht mehr.

Rame Mohammad, Alessio Politano
  

Interessen

Auf dem Foto erkennt man gleich zwei typische Merkmale der Sternschanze und die Entwicklung, die die Schanze im Laufe der letzten Jahre gemacht hat. Das Bild wurde auf dem Schulterblatt, dem Herzstück der Schanze, geschossen. Im Hintergrund sieht man die Rota Flora. Diese war früher mal ein berühmtes Theatergebäude und seit 1989 haben Mitglieder der linken Szene das Gebäude besetzt, um den damals geplanten Umbau zu einem Musical Theater zu verhindern. Heute steht sie als ein Symbol für die linke Szene und in der Flora werden auch viele kulturelle und vor allem politische Veranstaltungen durchgeführt. Die Bewohner sind gegen die Entwicklung, die die Schanze in den vergangenen Jahren gemacht hat durch die Gentrifizierung und vor allem gegen die Form des Kapitalismus, der sich auch erkennbar in der Schanze ausbreitet.

Das teure Auto im Vordergrund zeigt einen sehr starken Kontrast. Dieses Auto steht für den Kapitalismus und die Entwicklung, die die Flora gemacht hat, nämlich die, dass die einst von ärmeren Leuten bewohnte Sternschanze nun ein beliebter Spot durch die neu eröffneten Restaurants, Bars und Geschäfte geworden ist und vor allem steht dieses teure Auto für das teure Leben in der Sternschanze. Früher hat man hier sehr günstig und einfach gewohnt, heutzutage sind die Mieten teilweise um mehr als das Dreifache gestiegen, wenn man überhaupt noch eine Wohnung findet. Das Auto steht für all das, was die Besetzer der Roten Flora ablehnen.

Berfin Baran, Dunya Muradi